Zu Beginn des neuen Jahres in Finnland

Ein frohes neues Jahr wünsche ich Euch allen!
Meines hat spannend begonnen, mit etwa 3.500 Flugkilometern und etwa 600 selbst gefahrenen Auto-Kilometern in Finnland.

Nun möchte ich nicht detailliert von der Reise berichten sondern ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind und meine Gedanken dazu schildern.
Der günstige und gut getaktete Bahnverkehr beispielsweise. Für knapp über 4€ kommt man vom Flughafen zum Hauptbahnhof, was je nach Verbindung eine Fahrt von 35 oder 41 Minuten ist. Ich habe keinen verspäteten Zug gesehen! Klar muss man sagen, dass es sich um Hauptstadtverkehr handelt und dieser üblicherweise besser getaktet ist als der Verkehr in ländlichen Gebieten, aber ich denke, dass es nicht nur daran liegt. Irgendetwas läuft in Finnland richtig! Es war zwar ärgerlich, dass mir in der kurzen Zeit in Helsinki zwei (!) Züge vor der Nase weggefahren sind, obwohl ich nur eine halbe Minute zu spät ans Gleis kam. Aber was soll man sagen? Für die Pünktlichkeit muss man Opfer bringen und in diesem Fall war ich eines davon. Allzu lange ärgern musste ich mich aber nicht, weil nicht nur die Pünktlichkeit stimmt sondern auch die Taktung, sodass in weniger als 10 Minuten die nächste Bahn abfuhr. 🙂
Das mit dem günstigen und gut fließenden Bahnverkehr ist aber nicht nur in Helsinki so, auch die Fernzüge sollen – wie mir berichtet wurde – sehr gut bezahlbar und pünktlich sein!.

Von Helsinki aus ging es weiter in Landesinnere. Um die Dunkelheit beneide ich die Finnen (und die anderen in Skandinavien lebenden Menschen) nicht! Es ist ja Winter und da sieht man – auch wegen der Wolken – wenig von der Sonne. Aber es scheint auf den ersten Blick nicht nur dunkel sondern auch einsam zu sein: Die Ortschaften in den ländlichen – von Seen durchzogenen – Gebieten sind verstreut und noch „weiter draußen“ sind von Hof zu Hof lange Distanzen. Da ist es nicht so leicht, beim Nachbarn zu klingeln und nach Mehl zu fragen, weil man keines mehr hat. Aber dann kommt mir die Frage auf, wer tut das heute denn noch?! grade in einer großen Stadt, wenn die Nachbarin gerade auf der anderen Seite des Ganges lebt… Ein schöner Trost im dunklen, winterlichen Finnland ist der Schnee! Er macht zwar die Bedingungen auf den Straßen nicht gerade einfach, jedoch ist es sehr malerisch, wenn die Straßen, die Bäume und die vielen Seen schneebedeckt sind. Außerdem reflektiert der Schnee das bisschen, was an Licht da ist und lässt die gesamte Umgebung heller wirken. Besonders wenn es auch noch schneit, steigt die Freude automatisch. Aber des nachts, wenn kein Licht da ist, wird es wirklich tiefdunkel und auch das kann schön sein! Wenn man die klaren Sterne sieht und sich fernab aller Lichtverschmutzung befindet und kein fernes Leuchten sieht sondern wirklich nur die tiefe Dunkelheit und die tiefe des Universums!
Und zum Stichwort der Einsamkeit: Viele habe ich nicht kennen gelernt, aber die Menschen, die ich traf, waren ausnahmslos offen und freundlich, auch gastfreundlich. Man konnte spüren, dass sie Freude an der neuen Begegnung verspürten!

Wenn ich so darüber nachdenke, bemerke ich, dass sich viele Menschen immer mehr abschotten. Mit dem Smartphone in der Hand und den Kopfhörern im Ohr die „Welt ausschalten“. Auch ich mache das oft und genieße es. Vielleicht ist es aber ab und zu auch schön, wenn wir mal die Kopfhörer herausnehmen, die Welt – deren Teil wir ja sind – wieder „einschalten“, uns umsehen und auf neue Menschen zugehen, fremden Menschen einen schönen Tag wünschen und mit unseren Nächsten interagieren.

3 thoughts on “Zu Beginn des neuen Jahres in Finnland”

  1. Ich wusste gar nicht wie toll du Geschichten schreiben kannst! Ich habe mich gerade beim Lesen gefühlt, als liese ich die ersten Seiten eines Fantasyromanes, die Seiten, auf denen die schöne, fantastische Landschaft beschrieben wird..

    Wieso nicht die „Welt ausschalten“?
    Für die meisten wäre es erst einmal nötig, bevor sie Smartphones und Kopfhörer beiseite tun um Fremde anzusprechen, zu lächeln.
    Setzt euch mal in einen Bus, montags um 8:00 Uhr, um von Bahnhof zu Uni zu pendeln. Oder einen beliebigen anderen Bus. Dort sieht man kaum jemanden lächeln.
    Sehr Schade.

    Auch ich verstecke mich hinter Büchern und meinem Smartphone, aber ich habe mir angewöhnt, wenn sich mein Blick mit dem einer anderen Person kreuzt, diese an zu lächeln.
    Lächeln schüttet übrigens nachweislich Glückshormone aus, ich kann es also nur jedem empfehlen.
    Es sind eben doch die kleinen Dinge!

    Worauf achtet ihr beim Umgang mit Menschen in eurem Alltag, was bringt euch eine kleine Freude?

    1. Hi SuperMan,
      Schön, dass du dich auf derSpruch verirrt hast 😉
      Du hast vollkommen Recht, andere glücklich zu machen macht selber glücklich – am einfachsten mit einem Lächeln!
      In meinen Augen steckt da aber eine Huhn-Ei Problematik dahinter. Wenn man nur Augen für irgendeinen Bildschirm hat und sich akustisch abkoppelt, dann nimmt man doch von vornherein kein Lächeln war, noch lächelt man.
      Um auf deine Frage einzugehen, mir bereitet es besonders Freude zu beobachten, wie Menschen auf ihre Umwelt reagieren, sei es unterbewusst oder weil sie sich unbeobachtet fühlen, vor allem aber dann, wenn man eine Reaktion vorhersehen konnte; einfach Menschlichkeit!
      Einen angenehmen Montagabend,
      Gruß BoldWin

      1. Eine Huhn-Ei Problematik? Chapeau!

        Ich sehe da allerdings eine ganz andere Huhn-Ei Problematik.
        Und zwar haben wir es verlernt, Zeit mit uns selbst zu verbringen. Wir sind in unserem Alltag ständig in Gesellschaft, aber wenn nicht, dann vernetzen wir uns ständig über das Internet, 24/7, mit anderen Menschen. Und selbst wenn WhatsApp und alle sozialen Medien schweigen, dann hören wir Musik, Podcasts, spielen online Games oder schauen Videos. Da nehme ich mich selbst gar nicht raus! Aber wenn ich nicht einmal mehr spazieren gehen kann, ohne Handy, Kopfhörer oder Smartwatch, oder eines Sommerabends ohne Bluetooth-Box und Smartphone den Abend mit der Familie oder Freunden verbringen kann (Nur um 2 Beispiele von Tätigkeiten zu nennen, die man ohne elektronische Geräte machen kann), wieso sollte ich dann die kurze Busfahrt für mich selbst nutzen ohne die „Welt abzuschalten“? Dann komme ich auch nicht dazu, andere anzulächeln oder gar anzusprechen!
        Dabei geht es aber auch gar nicht ausschließlich um soziale Interaktion. Kennt ihr die DB Werbung, die eine Junge Familie zeigt beim Bahn fahren, die sehnsüchtig in die weite schöne Landschaft blickt durch die sie fahren? Genau dieses Bild habe ich vor Augen. Im Bus sitzend, die Landschaft oder Stadt, Sonne und unsere hervorragenden Lebensumstände genießen, dankbar sein für das was man hat und für das wo man hingeht. Auch diese Gefühle werden gegen das Smartphone ausgetauscht.
        Es ist schön, darüber mal nachzudenken..
        Zeit mit sich selbst zu verbringen (also nicht nur alleine zu sein, sonder mit Sich) ist gerade heutzutage, in einer so schnellen Gesellschaft, sehr wichtig für innere Zufriedenheit. Daran arbeite ich selbst täglich,
        hoffentlich konnte ich euch inspirieren.

        Grüße, SuperMan

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